Ausgabe 2013.12 / Der Wirtschaftsfaktor Braunkohle



➔ Mehr als 86.000 Arbeitsplätze durch wettbewerbsfähige Braunkohle

Die deutsche Braunkohlenindustrie hat ihren Beitrag zur deutschen Volkswirtschaft durch ein Forschungsinstitut berechnen und bewerten lassen. Unter Einbeziehung aller in Gewinnung, Verstromung und Veredlung tätigen Unternehmen des Wirtschaftszweiges ermittelte das EEFA-Institut alle direkten Leistungen der deutschen Braunkohlenindustrie. Im Rahmen einer aufwändigen Input-Output-Analyse konnten unter Einschluss vor- und nachgelagerter Sektoren zusätzlich alle indirekten Effekte des Wirtschaftszweiges auf Wirtschaft, Konsum und Beschäftigung in Deutschland abgeschätzt werden. Damit liegen nicht nur zuverlässige Angaben über die energiewirtschaftliche Bedeutung der Braunkohle vor, sondern auch valide Daten zur wirtschaftlichen Leistung des Wirtschaftszweiges. Nach den Berechnungen des EEFA Instituts lag der durch die deutsche Braunkohlenindustrie 2009 ausgelöste Produktionswert bei insgesamt 8,1 Milliarden Euro (Mrd. Euro). Die Beschäftigungswirkung des Wirtschaftszweiges umfasste im Berichtsjahr mehr als 86.000 Arbeitsplätze. Die deutsche Braunkohlenindustrie ist damit energie- und gesamtwirtschaftlich ein wichtiger Sektor innerhalb der deutschen Volkswirtschaft.

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➔ Knapp drei Milliarden Euro direkter Produktionswert

Förderung, Verstromung und Weiterverarbeitung von Braunkohle sind verbunden mit einem Aufwand für verschiedenste Vorleistungen, es werden Investitionen getätigt sowie Löhne und Gehälter an die Beschäftigten gezahlt. Vorleistungen und Gehälter bilden zusammen die laufenden Aufwendungen. Diese zeichnen sich durch eine hohe Stetigkeit aus. Die Investitionen entwickeln sich dagegen eher zyklisch. Bei den Investitionen spiegelt die Untersuchung insbesondere die derzeitigen Kraftwerksmodernisierungen im Rheinischen Revier sowie den Bau eines neuen Braunkohlenblocks am Standort Boxberg in der Lausitz wider.

Die Unternehmen der deutschen Braunkohlenindustrie zahlten 2009 Vorleistungen für bezogene Vorleistungen rund 2,3 Mrd. Euro. Die Entgeltzahlungen an die Mitarbeiter betrugen 2009 insgesamt 1,3 Mrd. Euro. Im Inland nachfragewirksam wurden davon knapp 575 Mio. Euro. Insgesamt entstand aus den Vorleistungen des Wirtschaftszweiges ein gesamtwirtschaftlicher Nachfrageimpuls in Höhe von 2,9 Mrd. Euro für das Jahr 2009.

Zu den ökonomischen Effekten der laufenden Ausgaben eines Unternehmens kommen die Investitionen. Im Jahre 2009 tätigte die deutsche Braunkohlenindustrie Gesamtinvestitionen in Höhe von 1,235 Mrd. Euro. Davon entfielen knapp 52 Prozent auf den Bau neuer Anlagen.

Die Beschäftigungssituation in der deutschen Braunkohlenindustrie ist seit Jahren durch eine relativ hohe Stabilität gekennzeichnet. 2009 wurden knapp 25.000 Mitarbeiter beschäftigt.

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➔ Tagebaue: Hoher Bedarf an Vorleistungen

Die deutsche Braunkohlenförderung erstreckt sich derzeit über 12 Tagebaue in vier Revieren. Die Jahresförderung bewegt sich im mehrjährigen Durchschnitt bei rund 170 Millionen Tonnen (Mio. t) Rohbraunkohle. Zusätzlich werden in den Tagebauen pro Jahr rund 900 Mio. Kubikmeter Abraum bewegt. Weitere wichtige Tätigkeiten im Tagebaubereich sind der Materialtransport, die Sümpfung und die Renaturierung.

Für die gesamten Tagebautätigkeiten wurden 2009 Vorleistungen im Wert von 785 Mio. Euro bezogen. An Löhnen und Gehältern wurden an die insgesamt 14 292 Tagebaubeschäftigten 715 Mio. Euro ausbezahlt, davon verblieben 312 Mio. Euro als unmittelbare Konsumausgaben. In die Tagebautechnik wurden 2009 insgesamt 536 Mio. Euro investiert. Damit erwirtschafteten die deutschen Braunkohlentagebaue einen direkten Produktionseffekt in Höhe von 1,633 Mrd. Euro. Mit Hilfe der Input-Output-Methode lassen sich aus diesem Beitrag zusätzlich indirekte Effekte in Höhe von 1,219 Mrd. Euro und weitere 444 Mio. Euro induzierte Produktionseffekte bestimmen. Der gesamte direkte und indirekte Produktionseffekt der derzeit zwölf deutschen Braunkohlentagebaue erreichte damit 2009 eine Höhe von knapp 3,3 Mrd. Euro.

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➔ Kraftwerke: Größter Produktionseffekt

Mehr als 90 Prozent der Braunkohlenförderung werden gegenwärtig in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt. Zum Einsatz kommt Braunkohle überwiegend in Kraftwerken der allgemeinen Versorgung und zu einem kleineren Teil in Grubenkraftwerken zur Deckung des Eigenbedarfs der Tagebaue und der Veredlungsbetriebe. Die installierte Leistung betrug im Jahre 2009 insgesamt 21.637 Megawatt (MW). Die Stromerzeugung der inländischen Braunkohlenkraftwerke lag bei 146 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh).

Die von den Braunkohlenkraftwerken 2009 bezogenen Vorleistungen hatten einen Gesamtwert von knapp 1,3 Mrd. Euro. Von den Lohn- und Gehaltszahlungen wurden 217 Mio. Euro konsumwirksam. In die Modernisierung und den Neubau von Braunkohlenkraftwerken flossen insgesamt 636 Mio. Euro. Damit betrug der direkte Produktionswert im Bereich der Braunkohlenkraftwerke 2,152 Mrd. Euro. Zusätzlich ergeben sich indirekte Effekte in Höhe von 1,470 Mrd. Euro sowie weitere 583 Mio. Euro induzierte Produktionseffekte. Der gesamte direkt und indirekte Produktionseffekt der derzeit am Netz oder im Bau befindlichen Braunkohlenkraftwerke erreichte damit 2009 eine Höhe von etwas mehr als 4,2 Mrd. Euro. Damit induziert jeder von den Kraftwerken aufgewendete Euro einen zusätzlichen Produktionswert in nahezu gleicher Höhe.

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➔ Veredlung: Solider ökonomischer Effekt

Die Unternehmen der deutschen Braunkohlenindustrie setzten 2009 insgesamt rund 12 Mio. t Rohbraunkohle in den Veredlungsbetrieben ein. Aus dieser Menge wurden rund 5,8 Mio. t Produkte, darunter 3,6 Mio. t Braunkohlenstaub und knapp 2 Mio. t Briketts, hergestellt. Weitere Produkte sind Koks sowie Montanwachs. Die Veredlungsbetriebe wandten 2009 insgesamt 274 Mio. Euro für Vorleistungen einschließlich der nachfragewirksamen Anteile der Löhne und Gehälter auf. Investiert wurden 63 Mio. Euro. Der Gesamtbetrag in Höhe von 337 Mio. Euro löste weitere indirekte Produktionseffekte in Höhe von 192 Mio. Euro sowie indirekte Effekte von 92 Mio. Euro aus. Damit betrugen die gesamten direkten und indirekten Produktionseffekte der Veredlungsbetriebe 621 Mio. Euro.

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➔ Beschäftigung: Jeder direkte Arbeitsplatz löst 2,5 weitere Beschäftigungseffekte aus

Die Unternehmen der deutschen Braunkohlenindustrie beschäftigten im Jahre 2009 direkt 24.897 Mitarbeiter. Nach Anwendung der Input-Output-Analyse ergibt sich, dass von jedem dieser Arbeitsplätze weitere 61.527 Beschäftigungsverhältnisse abhängen. Die gesamte Beschäftigungswirkung der deutschen Braunkohlen-industrie lag damit im Jahre 2009 bei 86.424 Arbeitsplätzen. Hiervon entfielen 37.089 auf den Tagebaubetrieb, 41.638 auf die Kraftwerke und 7.697 auf die Veredlungsbetriebe.

Die stärkste Beschäftigungswirkung löst die deutsche Braunkohlenindustrie in den Bereichen Finanzdienstleistungen sowie Handel und Verkehr aus. Dahinter folgt der Bereich Maschinen, Fahrzeuge und Elektrotechnik. Jeder direkte Arbeitsplatz in der deutschen Braunkohlenindustrie ist mit weiteren 2,47 Beschäftigungsverhältnissen in vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen verbunden.

Der Beschäftigungseffekt der deutschen Braunkohlenindustrie beträgt damit 3,47 (1 direkter Arbeitsplatz plus 2,47 weitere Beschäftigungen).

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