Ausgabe 2016.07 / Die Ressource Braunkohle



➔ Unser wichtigster Bodenschatz

Deutschland ist arm an Rohstoffen. Bei Erzen und Metallen sind wir zu 100 Prozent auf Importe angewiesen. Der Bedarf an Öl und Gas muss überwiegend durch Einfuhren gedeckt werden. Der Beitrag des heimischen Steinkohlenbergbaus zur inländischen Energiegewinnung wird kontinuierlich vermindert. Einzige Ausnahme: Unsere Braunkohle. Sie steht in großen Mengen zur Verfügung, wird, ohne dass Subventionen benötigt werden, zu wettbewerbsfähigen Bedingungen gefördert. Braunkohle ist, in geologischen Zeiträumen gemessen, eine junge Energie. Das Miozän mit seiner üppigen Vegetation schuf vor 5 bis 25 Millionen Jahren im Rheinland und in der Lausitz mächtige Torfmoore, die mehrfach von Sand und Kies überdeckt wurden. Die Braunkohlenvorräte in Mitteldeutschland und im Helmstedter Raum entstanden bereits etwas früher im Eozän, also vor 50 bis 60 Millionen Jahren. Farbe und Struktur verraten bis heute die pflanzliche Herkunft der Braunkohle.

Auf über 70 Milliarden Tonnen (Mrd. t) schätzen Geologen die heimischen Braunkohlenvorräte. Das würde reichen, um die heutige Förderung noch für mehrere Generationen fortzusetzen. Gemäß internationalen Vereinbarungen zur Bewertung von Rohstofflagerstätten und in Abhängigkeit vom gegenwärtigen Niveau der Energiepreise gelten von der Gesamtmenge etwa 36 Mrd. t als gewinnbar. Davon sind derzeit 4,8 Mrd. t in genehmigten und erschlossenen Tagebauen verfügbar. Damit bietet Braunkohle eine sichere Energieperspektive für rund eine Generation. Insgesamt sind die als wirtschaftlich gewinnbar eingestuften deutschen Braunkohlenreserven höher als die gesamten derzeitigen Öl- und Gasvorräte in Europa (ohne Russland).

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➔ Breite regionale Verteilung

Die deutschen Braunkohlenlagerstätten konzentrieren sich auf drei Regionen: Das Rheinland, die Lausitz sowie das Mitteldeutsche Revier, das sich von Helmstedt bis in den Großraum Halle/Leipzig erstreckt. Kleinere Vorkommen in Hessen und Bayern werden heute nicht mehr abgebaut. Innerhalb des Städtedreiecks Köln-Aachen-Mönchengladbach erstreckt sich das Rheinische Braunkohlenrevier. Das Rheinland gilt als das größte geschlossene Braunkohlenvorkommen in Europa. Die gesamte Lagerstätte erstreckt sich über eine Fläche von rund 2.500 Quadratkilometer. Im Rahmen der erschlossenen und genehmigten Abbaufelder stehen derzeit 2,9 Mrd. t zur Verfügung. Damit kann das heutige Förderniveau von etwa 90 Millionen Tonnen (Mio. t) pro Jahr noch mehr als 30 Jahre aufrecht erhalten werden. Die Braunkohlenförderung im Rheinland findet in den drei Großtagebauen Garzweiler, Hambach und Inden statt.

In der Lausitz lagern etwa 12 Mrd. t Braunkohle. Hiervon sind derzeit 1,5 Mrd. t laut den genehmigten Braunkohlenplänen nutzbar. Die weitere Vorratsmenge beträgt nach laufenden Braunkohlenplanverfahren 0,25 Mrd. t. Die derzeitige Förderung von gut 60 Mio. t pro Jahr lässt sich auf dieser Grundlage noch rund 30 Jahre fortführen. Die Lagerstätten des Mitteldeutschen Reviers umfassen etwa 10 Mrd. t Braunkohle. Davon ist etwa ein Fünftel gewinnbar. In bereits erschlossenen oder genehmigten Tagebauen stehen insgesamt 0,4 Mrd. t zur Verfügung, was den Betrieb für etwa 20 Jahre sichert. In den drei Revieren wurden im Laufe der rund 150jährigen Fördertätigkeit jeweils rund 7 Mrd. t Braunkohle abgebaut.

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➔ Tagebaue sind wirtschaftlich sicher

Die wichtigste heimische Energiequelle, unsere Braunkohle, wird von Schichten aus Sand, Kies, Ton oder Lößboden überdeckt. Im Rheinland sind diese Deckschichten zwischen 40 und 350 Meter mächtig, in den anderen Revieren zwischen 20 und 130 Meter. Damit liegt Braunkohle im Vergleich zu anderen Energieträgern relativ oberflächennah. Die lockeren Deckschichten lassen sich zudem leicht abtragen, so dass der großtechnische Tagebau die wirtschaftlichste und sicherste Form der Braunkohlengewinnung darstellt.

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➔ Ein besonderer Brennstoff

Je nach Revier und Flözen unterscheidet sich Braunkohle in seiner Beschaffenheit. Grob definiert besteht Braunkohle aus etwa 55 Prozent Wasser, 5 Prozent Asche und 40 Prozent Reinkohle. Die wasser- und aschefreie Rohkohle besteht wiederum zu rund zwei Dritteln aus Kohlenstoff sowie Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff. Die geologisch bedingte Zusammensetzung unterscheidet Braunkohle deutlich von Torf einerseits und Steinkohle andererseits, dies hat aber keine gravierenden Auswirkungen auf die Nutzungspotenziale des Brennstoffs. Vornehmlich durch den hohen Wassergehalt hat Braunkohle im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern einen geringeren Heizwert. Der durchschnittliche Energiegehalt der in Deutschland geförderten Braunkohle liegt bei 9.000 Kilojoule je Kilogramm (kJ/kg). Umgerechnet entspricht 1 Tonne Rohbraunkohle dem Energiegehalt von etwa 310 Kilogramm Steinkohle.

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Für die Verwertung von Braunkohle ist neben dem Heizwert vor allem der Asche- und der Schwefelgehalt von Bedeutung. Im Rheinischen Revier erreicht der Schwefelgehalt maximal 0,5 Prozent, die Lausitzer Braunkohle weist Schwefelgehalte zwischen 0,2 und 1,5 Prozent auf. Im Mitteldeutschen Revier liegen die Maximalwerte bei 2,1 Prozent und im Helmstedter Revier bei bis zu 2,5 Prozent. Da Braunkohle zu rund 90 Prozent in Kraftwerken zur Stromerzeugung eingesetzt wird, wird der Schwefel durch geeignete Rauchgaswäschen herausgefiltert und kann nicht zur Schädigung der Umwelt beitragen. Das Endprodukt Gips ist ein wichtiger Baustoff. Auch die Emission von staubförmigen Aschebestandteilen wird in allen Braunkohlenkraftwerken wirkungsvoll reduziert.

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➔ Neue Projekte

Zur Versorgung der nahegelegenen Kraftwerke wird im Rheinischen Revier der Tagebau Garzweiler seit Anfang 2006 in westlicher Richtung nahtlos in das 48 Quadratkilometer große Anschlussfeld Garzweiler II fortgeführt. Dort lagern in maximal 210 Metern Tiefe insgesamt 1,2 Mrd. t Braunkohle, die in den nächsten Jahrzehnten abgebaut werden sollen. Auf Garzweiler II entfallen künftig rund 40 Prozent der gesamten rheinischen Braunkohlenförderung. Der Tagebau Garzweiler erstreckt sich westlich von Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss. Die Braunkohle ist dort in drei Flözen abgelagert, die zusammen durchschnittlich 40 Meter stark sind.

Mit der im Juli 2016 beschlossenen Leitentscheidung hat die Landesregierung NRW einen neuen Rahmen gesetzt, in dem die energiewirtschaftliche Erforderlichkeit des Tagebaus Garzweiler für die Zeit nach 2030 sowie der Tagebaue Inden und Hambach in ihren genehmigten Abbaugrenzen erneut bestätigt worden ist. Die darin getroffenen Festlegungen bedeuten jedoch eine deutliche Verkleinerung des bereits genehmigten Abbaufelds des Tagebaus Garzweiler, verbunden mit dem Verlust mehrerer hundert Millionen Tonnen Braunkohle.

Mit der Erkundung des Braunkohlenvorkommens um Lützen, südwestlich von Leipzig, soll die langfristige Kohlenversorgung im Mitteldeutschen Revier sichergestellt werden. Seit 2006 wird die Lagerstätte systematisch erkundet.

Im Frühjahr 2010 wurde die 1999 unterbrochene Förderung im Tagebau Reichwalde am Ostrand des Lausitzer Reviers nach umfangreichen Modernisierungsinvestitionen wieder aufgenommen. Im Feld Reichwalde stehen rund 320 Mio. t Braunkohle zum Abbau bereit.

Im Rahmen der langfristigen Tagebauplanung in der Lausitz ist das Ende 2007 begonnene Braunkohlenplanverfahren für den Räumlichen Teilabschnitt II des Tagebaus Welzow-Süd im Juni 2014 durch die Genehmigung des Braunkohlenplans durch die brandenburgische Landesregierung abgeschlossen worden.

Zur Versorgung des Braunkohlenkraftwerks Jänschwalde nach 2025 ist die Inanspruchnahme des Kohlenfeldes Jänschwalde-Nord vorgesehen. Das Braunkohlenplanverfahren wurde im Frühjahr 2009 eröffnet und verläuft planmäßig.

Für die langfristige Versorgung des Kraftwerks Boxberg ist die Inanspruchnahme des Abbaugebietes 2 im Tagebau Nochten erforderlich. Der notwendige Aufstellungsbeschluss für den Braunkohlenplan erfolgte im Herbst 2007. Ende 2012 fand das öffentliche Beteiligungsverfahren statt und Mitte 2013 erfolge die Beschlussfassung über die im Rahmen des Beteiligungsverfahrens vorgebrachten Hinweise und Anregungen. Der Braunkohlenplan wurde am 5. März 2014 durch die sächsische Staatsregierung genehmigt.

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